
Geschrieben von
Lukas Ebner
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Projekte

2019, Mittwochabend. Vier Browser-Tabs offen: Redmine für Tickets, ein Plugin für Zeiterfassung, Excel für die Kapazitätsplanung, eine separate Software für die Abrechnung. Ein Projekt, vier Systeme. Ich wusste, was jedes einzelne Tool mir zeigte. Ich wusste nicht, ob das Projekt profitabel war.
Redmine war eine unserer größten Inspirationen. Und genau deshalb haben wir etwas Eigenes gebaut.
Redmine als Ticketsystem — und warum das nicht reicht
Redmine ist unterschätzt. Wer es als verstaubtes Ticketsystem abtut, hat es nie richtig konfiguriert. Das Plugin-System ist radikal offen, Custom Fields gibt es für alles, die Daten gehören dir — auf deinem Server, in deiner Datenbank. In Zeiten jährlicher SaaS-Preiserhöhungen von 20–30 % ist das kein kleines Argument.
Über 8.000 Unternehmen setzen Redmine produktiv ein, laut Enlyft hält es gut 6 % Marktanteil im Bereich Projektportfolio-Management. Für ein Open-Source-Projekt ohne Marketing-Budget: bemerkenswert.
Aber genau hier liegt das Problem. Redmine ist im Kern ein Ticketsystem — ein hervorragendes, aber eben ein Ticketsystem. Zeiterfassung? Plugin. Ressourcenplanung? Plugin. Rechnungsstellung? Externes Tool. Kapazitätsübersicht? Excel.
Für Entwicklerteams, die Bugs tracken und Features planen, funktioniert das. Aber Agenturen und IT-Dienstleister leben nicht von Tickets. Sie leben von Kundenprojekten, die profitabel sein müssen. Und genau da wird das Redmine Ticketsystem zum Problem: Die Information, die du am dringendsten brauchst — „Verdient dieses Projekt Geld?" — existiert in keinem der Plugins. Du müsstest Zeitdaten exportieren, mit Stundensätzen multiplizieren, gegen das Budget abgleichen, und das Ergebnis in eine Tabelle kippen. Jeden Monat. Für jedes Projekt.
Das macht niemand. Also fliegt man blind — und wundert sich am Quartalsende über die Marge.
Redmine vs. Jira — und warum beide am Dienstleister-Alltag vorbeigehen
In der Praxis stehen Redmine und Jira oft als die zwei Pole: Open Source vs. Enterprise. Flexibel vs. standardisiert. Self-hosted vs. Cloud.
Seit Atlassian den Jira-Server-Support im Februar 2024 eingestellt hat, stehen tausende Teams vor einer Entscheidung. Jira Data Center — die Jira-On-Premise-Variante — läuft aus: Keine neuen Features mehr ab März 2026, komplettes End-of-Life bis 2029. Bei Einstiegspreisen ab 51.000 Dollar pro Jahr für 500 Nutzer und einer 30-prozentigen Preiserhöhung Anfang 2025 wird das für viele Dienstleister schwer zu rechtfertigen.
Redmine bleibt als Alternative im Raum. Aber der eigentliche Punkt ist ein anderer: Beide Tools — Redmine und Jira — sind Projektmanagement- und Ticketing-Werkzeuge. Sie zeigen dir, welche Aufgaben offen sind. Sie zeigen dir nicht, ob dein Team nächste Woche ausgelastet ist, ob der Kunde korrekt abgerechnet wurde, oder ob das Projekt, das „gut läuft", dich in Wahrheit Marge kostet.
Für IT-Dienstleister ist genau das der blinde Fleck.
Die aktuelle Jira-Migrationswelle trifft auch Redmine-Teams indirekt. Unternehmen, die bisher Jira On-Premise nutzten und jetzt nach Alternativen suchen, landen oft bei Redmine — nur um dort dieselben Grenzen zu entdecken. Open Source löst das Hosting-Problem. Es löst nicht das Sichtbarkeits-Problem.
Was Dienstleister wirklich brauchen: PSA statt PM
Es gibt eine Software-Kategorie, die genau diesen blinden Fleck adressiert: PSA-Software — Professional Services Automation. Der globale PSA-Markt liegt 2024 bei über 13 Milliarden Dollar und wächst mit knapp 15 % jährlich (Grand View Research, 2024). Das ist kein Nischenthema.
PSA bedeutet: Projektmanagement, Zeiterfassung, Ressourcenplanung und Abrechnung in einem System. Nicht vier Tools, die man mit Plugins, Zapier und guter Hoffnung zusammenhält — sondern eine durchgehende Datenbasis, in der Stunden, Budgets und Auslastung zusammenlaufen.
Konkret: Ein Projektleiter öffnet morgens ein Dashboard und sieht nicht nur offene Tickets, sondern auch, dass Entwickler A nächste Woche nur zu 40 % gebucht ist, dass Projekt B die budgetierten Stunden in drei Tagen überschreiten wird, und dass Kunde C seit sechs Wochen keine Rechnung bekommen hat. Das ist PSA. Alles andere ist Projektmanagement mit Scheuklappen.
International gibt es dafür etablierte Anbieter. Im DACH-Raum? Erstaunlich wenig. Der Begriff „PSA-Software" ist hier kaum etabliert. Die meisten Agenturen und IT-Dienstleister suchen nach „Projektmanagement" und landen bei Tools, die genau die Hälfte ihrer Anforderungen abdecken.
Leadtime ist als Redmine Alternative gestartet — und zu einer PSA-Software für Dienstleister geworden. Projekte, Zeiten, Auslastung, Abrechnung: eine Oberfläche, eine Datenbasis. Nicht weil wir schlauer sind als das Redmine-Team, sondern weil wir als IT-Dienstleister genau die Lücken gespürt haben, die ein reines Ticketsystem nicht schließt.
Easy Redmine, Redmine, Leadtime — der ehrliche Vergleich
Wer nach einer Redmine Alternative sucht, stößt schnell auf Easy Redmine — ein kommerzieller Aufsatz auf den Redmine-Kern. Die Frage liegt nahe: Upgrade oder Neuanfang?
Redmine | Easy Redmine | Leadtime | |
|---|---|---|---|
Typ | Open Source | Kommerzieller Redmine-Aufsatz | Eigenständige PSA-Software |
Redmine Project Management | Tickets, Gantt, Wiki | Erweitert (Gantt Pro, Dashboards) | Projekte + Budgets + Margen |
Zeiterfassung | Nur per Plugin | Integriert | Integriert + Live-Tracking |
Ressourcenplanung | Nicht vorhanden | Basis-Kapazitätsansicht | Forecast + Auslastungsmatrix |
Abrechnung | Nicht vorhanden | Nicht vorhanden | Integriert (T&M + Festpreis) |
Hosting | Self-hosted | Cloud oder Self-hosted | Cloud (SaaS) |
Zielgruppe | Dev-Teams, technische Teams | Redmine-Upgrader | Agenturen, IT-Dienstleister |
Preis | Kostenlos (+ Hosting) | Ab ca. 25 €/User/Mo | Ab 12 €/User/Mo |
PSA-Funktionalität | — | Teilweise | Vollständig |
Easy Redmine bleibt dem Redmine-Ökosystem treu: gleicher Kern, bessere Oberfläche, mehr Plugins out of the box. Das ist ein valider Ansatz — besonders für Teams, die ihre bestehende Redmine-Instanz und deren Daten nicht aufgeben wollen.
Leadtime geht einen anderen Weg. Kein Redmine-Fork, kein Plugin-Stack, sondern ein eigenständiges System mit PSA-DNA. Zeiterfassung, Abrechnung und Ressourcenplanung sind keine Erweiterungen, sondern Teil der Architektur.
Der Unterschied zeigt sich nicht in der Feature-Liste, sondern im Arbeitsalltag. Ein Beispiel: Freitagnachmittag, Monatsabschluss. Mit Redmine exportierst du Zeitdaten, öffnest Excel, rechnest Stundensätze gegen, prüfst Budgets manuell. Mit Leadtime öffnest du das Projekt-Dashboard — Marge, gebuchte vs. budgetierte Stunden, offene Rechnungspositionen. Alles da, in Echtzeit, ohne Export.
Easy Redmine bringt dich auf halber Strecke dorthin: besseres UI, integrierte Zeiterfassung. Aber die Abrechnung und die Ressourcenplanung fehlen weiterhin. Wer PSA braucht, kommt mit einem Redmine-Upgrade nicht ans Ziel.
Projektmanagement für Dienstleister — warum der Kontext entscheidet
Agenturen und IT-Dienstleister sind keine Produktunternehmen. Der Alltag besteht aus Kundenprojekten mit wechselnden Teams, aus Time & Material neben Festpreis, und aus der Frage, die am Monatsende immer zu spät kommt: Verdienen wir an diesem Kunden eigentlich Geld?
Generische PM-Tools und Ticketsysteme beantworten diese Frage nicht. Sie sind für Produktteams gebaut, die Sprints planen und Backlogs pflegen. Projektmanagement für Dienstleister braucht eine andere Sicht — eine, die Projekte, Menschen und Geld zusammenbringt.
Wir haben Leadtime genau dafür gebaut. Nicht als theoretisches Konzept, sondern weil wir diese Frage selbst jahrelang nicht beantworten konnten — erst mit Excel, dann mit Redmine, dann mit einem halben Dutzend Tools gleichzeitig. Irgendwann war klar: Die Antwort ist kein besseres Plugin. Die Antwort ist ein anderes System.
Von Redmine zu Leadtime — der Migrationspfad
Ein Systemwechsel ist nie trivial. Projekte laufen, Daten stecken in der alten Instanz, das Team hat sich an Workflows gewöhnt. Wer von Redmine kommt, will keine Revolution — sondern einen Übergang, der funktioniert.
Deshalb bieten wir einen begleiteten Migrationspfad: Datenübernahme aus Redmine, Mapping der bestehenden Workflows, und ein Team, das den Umstieg begleitet. Nicht weil der Prozess besonders kompliziert wäre, sondern weil wir selbst wissen, wie es sich anfühlt, eine gewachsene Redmine-Instanz loszulassen.
Die ehrliche Empfehlung: Wer Redmine primär als reines Ticketsystem nutzt und damit zufrieden ist, braucht kein Leadtime. Wer aber merkt, dass die Excel-Tabelle neben Redmine jedes Quartal eine neue Spalte bekommt — der sollte sich ansehen, wie eine integrierte PSA-Lösung den Alltag verändert.
Wir haben Leadtime gebaut, weil wir Redmine geliebt haben — aber irgendwann mehr brauchten als ein Ticketsystem mit Plugins. Falls dir das bekannt vorkommt: leadtime.de zeigt, was passiert, wenn man Redmine-DNA mit PSA-Denken kreuzt.


