Projektzeiterfassung: Was Restaurants wissen – und IT-Agenturen vergessen haben

Projektzeiterfassung: Was Restaurants wissen – und IT-Agenturen vergessen haben

Projektzeiterfassung: Was Restaurants wissen – und IT-Agenturen vergessen haben

Lukas Ebner, CEO Leadtime

Geschrieben von

Lukas Ebner

Zeiterfassung

Agenturen erfassen nur 72% ihrer abrechenbaren Stunden. Warum Projektzeiterfassung wie Food Cost Percentage funktionieren muss – und was gute Tools ausmacht.

Agenturen erfassen nur 72% ihrer abrechenbaren Stunden. Warum Projektzeiterfassung wie Food Cost Percentage funktionieren muss – und was gute Tools ausmacht.

Agenturen erfassen nur 72% ihrer abrechenbaren Stunden. Warum Projektzeiterfassung wie Food Cost Percentage funktionieren muss – und was gute Tools ausmacht.

Ölgemälde von Uhrzeigern und Ziffern die durch ein kupfernes Küchensieb fließen

Ein Koch, der nicht weiß, was eine Portion Risotto kostet, überlebt vielleicht drei Monate. In der Gastronomie ist das keine Metapher – es ist Betriebswirtschaft auf Tellerhöhe. Restaurants kalkulieren ihre Food Cost Percentage pro Gericht, auf den Cent genau. Jede Zutat wird erfasst, jede Abweichung zwischen Soll- und Ist-Kosten fällt auf. Wer das nicht tut, hat bald ein sehr volles Restaurant und ein sehr leeres Konto.

IT-Agenturen machen im Grunde dasselbe Geschäft – sie verkaufen Arbeitszeit in Portionen. Nur dass die meisten nicht wissen, was ihre Portionen kosten. "Ungefähr 70 Prozent Auslastung" ist das Äquivalent von "das Risotto wird schon irgendwie hinkommen."

60 Stunden pro Jahr, die niemand bemerkt

Die Zahlen sind erstaunlich konsistent, egal welche Studie man liest: Agenturen und IT-Dienstleister erfassen im Schnitt nur 72 Prozent ihrer tatsächlich abrechenbaren Stunden. Bei Unternehmen mit robustem Tracking steigt diese Quote auf 95 Prozent. Die Differenz – 23 Prozentpunkte – klingt abstrakt.

Weniger abstrakt: 15 Minuten pro Tag, die nicht erfasst werden. Ein Telefonat hier, eine kurze Code-Review dort, ein Slack-Thread, der eigentlich zum Kundenprojekt gehört. 15 Minuten am Tag sind 60 Stunden im Jahr. Pro Person.

Bei einem Team von 10 Leuten und einem durchschnittlichen Stundensatz von 120 Euro reden wir von 72.000 Euro Umsatz, der nie eine Rechnung sieht.

Das Interessante daran: Die meisten Unternehmen spüren diesen Verlust nicht als akuten Schmerz. Es gibt keinen Moment, in dem jemand sagt "hier fehlen 72.000 Euro." Es ist ein langsames Sickern – wie ein Wasserhahn, der tropft. Man hört ihn nachts, aber tagsüber vergisst man, den Klempner anzurufen.

Noch eine Zahl, die mich nicht mehr loslässt: US-Unternehmen verlieren laut einer Analyse von Accelo und Harvard Business Review zusammen 7,4 Milliarden Dollar – pro Tag. Nicht pro Jahr. Pro Tag. Das sind natürlich aggregierte Zahlen über alle Branchen, aber sie zeigen die Größenordnung. Zeiterfassung ist kein Hygienethema. Es ist ein Profitabilitätsthema.

Warum Excel und "schnell eintragen" nicht reicht

Ich kenne das Argument. Haben wir bei eins+null auch jahrelang gemacht: Freitagmittag, Rundmail an alle, "bitte tragt eure Zeiten nach." Das Ergebnis war vorhersagbar und trotzdem jedes Mal überraschend schlecht.

Das Erinnerungsproblem

Daniel Kahneman hat in seinen Arbeiten zur kognitiven Verzerrung etwas beschrieben, das jeder kennt, der schon mal Freitagmittag seine Woche rekonstruieren musste: Wir erinnern uns an Höhepunkte und Enden, nicht an den Verlauf. Die zwei Stunden Debugging am Dienstag fallen einem ein. Die 40 Minuten Konzeptarbeit am Mittwochmorgen nicht. Und die 25 Minuten, in denen man zwischen drei Projekten hin- und hergesprungen ist, existieren in der Erinnerung schlicht nicht.

Das PMI empfiehlt deshalb wöchentliche Erfassungszyklen in 15- bis 30-Minuten-Inkrementen. Nicht weil das eine besonders elegante Methode wäre, sondern weil alles darüber hinaus statistisch unzuverlässig wird. Wer monatlich nachträgt, kann es auch schätzen – der Unterschied ist marginal.

Der Soll-Ist-Blindflug

Das eigentliche Problem mit nachträglicher Zeiterfassung ist nicht nur die Ungenauigkeit. Es ist, dass man den Soll-Ist-Abgleich verliert. Zurück zur Gastronomie: Ein Restaurant, das erst am Monatsende prüft, ob die Zutatenkosten stimmen, hat 30 Tage lang Gerichte mit falscher Kalkulation verkauft. Der Koch, der jeden Abend seine Wareneinsatzquote prüft, korrigiert am nächsten Tag.

Genauso funktioniert Projektzeiterfassung – oder sollte es. Wenn das Budget für ein Feature bei 40 Stunden liegt und nach einer Woche schon 28 verbraucht sind, will man das wissen. Nicht in vier Wochen, wenn die Rechnung gestellt wird.

Was gute Projektzeiterfassung wirklich leisten muss

Die meisten Vergleichsportale listen Features auf. Timer hier, Reporting dort, Integration da. Das ist wie ein Restaurantführer, der Küchen nach der Anzahl ihrer Kochplatten bewertet.

Was tatsächlich zählt, sind fünf Dinge – und keins davon steht auf einer typischen Feature-Seite:

Projektbezug, nicht Stundenzählung. Zeiten, die keinem Projekt zugeordnet sind, sind Datenmüll. Es geht nicht darum, ob jemand 8 Stunden gearbeitet hat. Es geht darum, ob die 3,5 Stunden für Projekt X innerhalb des Budgets liegen.

Echtzeit, nicht Rückblick. Zeiterfassung, die man erst am Freitag nachtragen muss, ist Archäologie. Der Wert liegt im Moment – in der Frage, die man Dienstagnachmittag beantworten kann, nicht erst beim Monatsreport.

Soll-Ist auf Projektebene. Wie in der Gastronomie die Food Cost Percentage pro Gericht: Was war geplant, was wurde tatsächlich investiert? Ohne diesen Abgleich ist Zeiterfassung Datensammlung ohne Erkenntnis.

Integration in den Arbeitsfluss. Jeder Kontextwechsel zwischen "arbeiten" und "Zeit erfassen" kostet. Nicht viel – aber genug, dass die Leute es lassen, wenn es unbequem ist. Wer schon mal mehrere Projekte gleichzeitig gesteuert hat, weiß: Jede zusätzliche Reibung multipliziert sich.

Auswertung, die Entscheidungen ermöglicht. Nicht Dashboards mit bunten Balken. Sondern die Antwort auf: Ist dieses Projekt noch profitabel? Können wir den Scope halten? Wo genau sickert die Zeit weg?

Die unbequeme Wahrheit über Zeiterfassung

Ich habe lange gedacht, das Problem sei das Tool. Wir haben bei eins+null drei verschiedene Lösungen ausprobiert, bevor ich verstanden habe: Das Tool war nie das Problem.

Warum Teams Zeiterfassung hassen

Zeiterfassung hat ein Imageproblem, das tiefer sitzt als UX-Design. Für viele Entwickler und Berater fühlt sich Zeiterfassung nach Überwachung an – nach Stechuhr und Misstrauen. Und, soweit ich das beurteilen kann, ist dieses Gefühl nicht immer unberechtigt.

Wenn Zeiterfassung primär als Kontrollinstrument eingeführt wird – "wir wollen sehen, wer seine 8 Stunden macht" – dann erzeugt sie genau das Verhalten, das sie messen soll: Leute tragen 8 Stunden ein, verteilt auf Projekte, ungefähr passend. Die Daten sehen sauber aus. Sie sind es nicht.

Der Kulturwandel, den niemand bestellt hat

Die Unternehmen, die ich kenne und die Zeiterfassung gut hinbekommen haben, hatten alle etwas gemeinsam: Sie haben nicht die Frage gestellt "Wie kriegen wir die Leute dazu, ihre Zeiten einzutragen?" Sondern: "Was müssen wir unseren Leuten zeigen, damit sie ihre Zeiten wollen?"

Das klingt nach Berater-Sprech. Ist es vermutlich auch ein bisschen. Aber der Punkt ist real: Wenn ein Entwickler sieht, dass sein Projekt bei 85 Prozent Budgetverbrauch steht und er das Feature noch nicht fertig hat – dann ist das kein Kontrollwerkzeug. Dann ist das eine Information, die ihm hilft, ein Gespräch mit dem Projektleiter zu führen, bevor es zu spät ist.

Ein guter Koch will seine Wareneinsatzquote kennen. Nicht weil der Chef es verlangt, sondern weil es ihm sagt, ob er gut arbeitet. Projektzeiterfassung, die so funktioniert – als Werkzeug für die Leute, die sie nutzen, nicht für die, die sie auswerten – hat eine Chance, Teil der Kultur zu werden.

Was Restaurants verstanden haben, und was IT-Unternehmen langsam lernen: Granulares Tracking reduziert nicht nur die Kosten. Es verändert, wie ein Team über seine Arbeit nachdenkt. Eine Studie der National Restaurant Association zeigt, dass Restaurants mit konsequentem Zutaten-Tracking ihre Food Cost um 10 bis 15 Prozent senken – nicht primär, weil sie sparen, sondern weil sie bewusstere Entscheidungen treffen. Das gleiche Prinzip gilt für Projektstunden. Wenn man sieht, dass die Konzeptphase regelmäßig 40 Prozent des Budgets frisst, obwohl sie nur 20 Prozent bringen sollte, dann ist das kein Zeiterfassungsproblem. Dann ist das eine Erkenntnis über den eigenen Arbeitsprozess.

1 von 5 abrechenbaren Stunden wird nie erfasst. Die Frage ist nicht, ob Sie Geld verlieren. Die Frage ist, ob Sie wissen wollen, wie viel.

Wir haben Leadtime unter anderem deshalb gebaut, weil wir dieses Soll-Ist-Gap selbst lange ignoriert haben. Nicht weil wir schlauer wären als andere – sondern weil der Steuerberater irgendwann eine unangenehme Frage gestellt hat, auf die niemand eine Antwort hatte.

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Wir erfüllen die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und garantieren Serverstandorte in Europa mit ISO 27001-Zertifizierung.

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© 2025 Leadtime Labs GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

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